Deutsch Israelische Jugendbegegnung oder „HaTikwa“ für Deutschland

Ein Bericht und Kommentar von Jakob Schumann, Reichenbach, Schüler in der Jahrgangstufe 12 am Goethegymnasium

 Auch im Februar diesen Jahres besuchte wieder eine Delegation von 13 Schülern aus Plauen und Reichenbach, unter Begleitung der Religionslehrerin Birgit Schneider und der Leitung und Organisation von Herrn Pfarrer Falk Klemm, für eine Woche Jerusalem. Wie bereits im Jahr zuvor war auch dies Teil eines Austauchprogrammes mit israelischen Schülern der Internatsschule „HaNoar HaZioni“. Als Teil des Austausches fand nun im September ein Rückbesuch der Israelis in Deutschland statt.

 

 

„Nach einer relativ langen Wartezeit in einem speziell extern gelagerten Teil des Flughafens Berlin-Schönefeld öffnen sich die Türen. Es ist so weit, man sieht sich zum ersten Mal seit gut einem halben Jahr wieder. Etwas reserviert zuerst, doch schon bald fällt man einander in die Arme, lacht und begrüßt alte Freunde. Alles in einem bunten Mix aus Englisch, Deutsch und den paar Brocken Hebräisch, an die man sich noch von der Israelreise erinnert. Das waren sie also, die ersten Momente einer gemeinsamen Woche, auf die wir uns alle schon so lange gefreut hatten.“

 

Highlight: Gleich der erste Tag des Austausches begann in der Hauptstadt. Nach erfolgreicher Landung nach einem ca. vier Stunden Flug zeigten sich die Israelis bereits von der schieren Größe Berlins beeindruckt, wenn auch weniger erfreut, da eine etwa einstündige Busfahrt zur Unterkunft folgte. Hier hörten wir zum ersten Mal einen Spruch, den wir noch oft während unserer zahlreichen und langen Zugfahrten zu hören bekommen würden. „So lang wie ihr hier von einem Ort  zum nächsten braucht, da wären wir schon einmal durch ganz Israel gefahren.“

 

Die Müdigkeit war jedoch spätesten hinweggeblasen, als es in einem nächtlichen Spaziergang durch die Parks von Berlin hin zum Sitz des Bundestages und zum Brandenburger Tor ging, mitten im Herzen von Berlin. Nach einer geführten Tour Rund um die berühmte Kuppel des Gebäudes zeigten sich die jungen Israelis wie Deutsche tief beeindruckt von dem Blick, der sich auf das nächtliche Spreeufer bot, vom Kanzleramt bis hin zum Fernsehturm. Was dann folgte war einer der wohl bedeutsamsten und bewegendsten Momente unserer Begegnung:

 

Auf den Stufen zum Reichstags sangen wir die Nationalhymnen unserer Völker. Es war ein spontaner Ausdruck der Freude und Hoffnung, dass Juden und Deutsch in einer freien Welt wieder vollkommen vorbehaltlos aufeinander treffen können.  Wie bedeutend solche Momente sind, geht einem oft erst später auf, zum Beispiel dann, wenn man öffentlich darüber debattiert, was es bedeutet, das das Existenzrecht Israels als jüdischer Staat zur deutschen Staatsräson gehört oder wenn heute jüdische Jugendliche in Schulen Europas gemobbt werden.  Am Folgetag stand unter anderem ein Besuch der Ausstellung „Topographie des Terrors“ an, die sich mit den Verbrechen des Nazi-Apparates an Juden und andere Bevölkerungsgruppen inner- und außerhalb des damaligen Deutschen Reichs befasst. Hier stand uns vor Augen, wie gut wir daran tun, gute Beziehungen zwischen unseren Völkern zu knüpfen und uns für Versöhnung einzusetzen und uns um ein vertieftes Verständnis unserer beider Wurzeln zu bemühen. In der Ausstellung stieß ich unter den vielen Bildern auch auf zwei Bilder aus meiner Heimatstadt. Reichenbach/Vogtl.

 

Der anschließende Besuch des Jüdischen Museums und des Holocaust Mahnmals im Zentrum Berlins waren weitere Höhepunkte.

 

Die nächsten Tage verbrachten die Israelis mit uns in Plauen und Umgebung, wobei es diesmal nicht möglich war, die Jugendlichen in Gastfamilien unterzubringen, dafür bot sich hier die Jugendherberge „Zur alten Feuerwehrwache“ in Plauen an. Und so besuchte die jüdische Delegation unter Führung von Pfarrer Falk Klemm, von den Israelis liebevoll nur „Papa Falk“ genannt, unter anderem das „Bildungs- und Begegnungszentrum für jüdisch-christliche Geschichte und Kultur“ in Reichenbach und zeigten sich dort vor allem vom herodianischen Tempelmodel und der Führung von Matthias Hampel sehr beeindruckt. Eine schöne Geste war der Empfang der jungen Israelis durch den Bürgermeister Plauens, Herrn Zenner, in seinem Büro. Auch ein Ausflug an die Talsperre Pöhl mit Kletterwaldbesuch und anschließendem Grillen ließ man sich nicht entgehen. Wie die Jugend-Austausch-Delegation im vergangenen Jahr auch veranstalteten die Jugendlichen am Lessing-Gymnasium Plauen zahlreiche Workshops rund um Israel, die hebräische Sprache und die jüdische Kultur und ihre Feste. Diese Veranstaltungen waren augenscheinlich so faszinierend und spannend für die Gymnasiasten, dass zum geplanten Ausflug nach Dresden gleich noch eine Gruppe Lessingschüler mitkam.

 

Am Donnerstag der Woche wurde dann die Dresdner Altstadt in kleinen Gruppen erkundet und es ist nicht gelogen, wenn ich sage, dass so manchen Israeli angesichts der Frauenkirche und des Zwingers das Barock Flair Dresdens besser gefiel als das Großstadtgetümmel Berlins. Vom Besuch des Cafés „Stoffwechsel“ (wem das nichts sagt, unbedingt nachschauen) ehrlich berührt und beeindruckt lies die Gruppe den Abend in Dresden gemütlich in der Dresdner Altstadt ausklingen.

 

Für alle wanderfreudigen Deutschen und die zweitweise weniger wanderfreudigen Israelis stand am nächsten Tag die „Bestürmung“ der Basteibrücke inmitten der wunderschönen Sächsischen Schweiz an. Wieder einmal beeindruckte der Panoramablick auf Lilienstein, Elbe und Festung Königsstein unsere Besucher, doch über den Vergleich der Festung Königsstein als „sächsisches Massada“ konnten alle nur schmunzeln. Beendet wurde der Tag wieder in Plauen mit einer Shabbat Feier, welche von den israelischen Jugendlichen ausgerichtet wurde und für Besucher offen war. Die Feier war einer der im Nachhinein besonderen Höhepunkte der Woche und auch hier schlossen die Israelis schnell noch mehr Kontakte zu jungen Deutschen, welche, sehr - zur Verwunderung der Stammgruppe - wie ich gestehen muss auch am nächsten Tag zum abschließenden gemeinsamen Bowling in großer Zahl erschienen, um ihren neuen Freunden Lebewohl zu sagen.

 

Der letzte Tag der Woche gehörte ganz den Jugendlichen beider Nationen und so wurden Ausflüge innerhalb der eigentlich geplanten Gastfamilien unternommen. Ganz oben auf der Wunschliste stand bei vielen die Skiflugschanze in Klingenthal, auf der die Israelis begeistert Fotos machten, welche heute noch auf zahlreichen Sozialen Plattformen zu sehen sind. Wieder andere nahmen sich einfach die Zeit, um mit ihrem Gast die „deutsche Küche“ , hier in Gestalt von Knödeln, Sauerkraut und Gulasch, näher zu bringen. Am Abend dann der Abschluss: Teilweise unter Tränen wurde sich von alten und neuen Freunden verabschiedet. Einerseits herrschte eine traurige Stimmung, dass diese wunderbare Woche schon enden sollte, andererseits wurden in vielen Ecken schon wieder Pläne für zukünftige Wiedersehen geschmiedet. Es wurden Adressen, Telefonnummern und Wegbeschreibungen ausgetauscht. Eines stand jedoch für alle fest: Man wollte und würde sich wiedersehen! Nur ob „Unter den Linden“ oder auf den Hügeln Jerusalems, das war noch auszumachen.

 

Was bleibt?

 

Was bleibt ist eine Gruppe junger Deutscher und Israelis, welche nach zwei gemeinsamen Wochen im anderen Land nun eine enge Freundschaft verbindet. Noch heute, gut einem Monat nach dem Austausch, steht man dank den modernen Medien fast in täglichem Austausch miteinander. Auch ist nun in beiden Ländern eine Basis geschaffen. Sollte einer der Deutschen oder andersherum einer der Israelis einmal im Partnerland studieren oder gar Leben wollen, hat er jetzt eine Basis an Bekannten und Freunden, auf die er sich wird stützen können.

 

Vielleicht ist uns mit dieser Reise auch gelungen, einerseits den jungen Israelis aber auch den jungen Deutschen, welche noch nicht an Jesus glauben, das Evangelium in unseren Worten und Taten ein wenig näher zu bringen. Denn oft verstanden die Israelis unsere Faszination und Liebe für ihr Land überhaupt nicht und auch unsere Begründungen, von wegen „Heiligem Land“ und „Gottes auserwähltes Volk“ stieß oft nur auf unverständliches Kopfschütteln. Fest steht jedoch, dass Gottes Plan mit seinem Volk und auch mit diesen Jugendlichen noch nicht zu Ende ist und somit war ihr Zusammentreffen mit uns hoffentlich ein Anstoß in die richtige Richtung.

 

An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal Herrn Pfarrer Falk Klemm danken, für die Leitung der Planung und Organisation dieser Jugendbegegnung. Wir danken ganz besonders dem Freistaat Sachsen für die finanzielle Unterstützung sowie dem Bund für die Förderung dieses Projektes.   Weitere Informationen und auch eine Auswahl an Bildern der Israelreis wie auch vom Rückbesuch, finden Sie auf der WebseiteJugendpilgerfahrt & Deutsch-Israelische Jugendbegegnung“ oder unter https://www.plauen-jerusalem.com/ .