Wie geht`s einem als Volontär in Israel?

Von Josias Strobel aus Jerusalem

Josias Strobel zur Zeit Volontär in St. Charles in Jerusalem (Deutsche Kolonie)
Josias Strobel zur Zeit Volontär in St. Charles in Jerusalem (Deutsche Kolonie)

Ich bin der Josias Strobel. Ich habe dieses Jahr mein Abitur beendet und bin nun aufgrund vielfältiger Gründe als Volontär nach Israel gekommen. Ich arbeite hier im Deutschen Hospiz in Jerusalem, wobei der Name hier ein Pilgerhaus bezeichnet. Das ganze wird von 9 liebevollen Schwestern aus dem Orden des St. Charles Borromeo geführt. Wir sind momentan 6 Volontäre, das heißt ich und 2 weitere junge Jahresvolos vom Deutschen Verein von Heiligen Land, sowie 3 Seniorenvolontäre für jeweils max 3 Monate.

Die Arbeiten sind vielfältig, aber grob gesagt Gartenarbeit, Gästebetrieb und Pfortendienst. Zum Glück ist Arbeit nicht alles und so haben wir genug Zeit, uns mit anderen Volos zu treffen und um Land und Leute kennenzulernen.
Nun zu der Lage in Jerusalem/Israel/Palästina: Das Leben hier ging nach kurzer Aufregung ganz normal weiter. Wir haben uns mit Palästinensern getroffen. Den meisten geht es ganz gut und eine Intifada würde ihre Umstände nur verschlechtern. Teilweise gibt es eine Resignation unter manchen. Einige sagen zum Beispiel: „Wir können eh nichts ausrichten.“ oder sogar: „Wir machen es den Israelis so schwer wie es geht, dieses Land zu nehmen.“ Aber in diesem Satz steckt auch die Einsicht, dass es passieren wird. Teilweise gibt es auch kleine Widerstände vorallem von der jungen Bevölkerung, diese aber bewirken wenig und sind nicht koordiniert. Mein Mitvolo war z. B. in Bethlehem und hat zugeschaut. Was bei uns in den Medien dramaturgisiert wird, sind hier nur eine Handvoll zwölfjähriger Steinewerfer, die, sobald das Tränengas kommt, weinend zu ihren Eltern zurücklaufen. 

Praktisch gibt es kein Palästina, weil es weder eine Führung, noch ein freies, zusammenhängendes Land gibt oder gar ein Volk, das zusammenarbeitet. Die meisten Palästinenser haben ihre eigenenProbleme, aber in Israel finden sie Arbeit und können ganz gut leben. Keiner hat Lust, an einer Intifada mitzuwirken, da sie alles nur noch schlimmer machen würde. Außerdem hätte dann Israel wiederdas Argument, das sämtliche ihrer Aktionen nur für Aufrechterhaltung der Sicherheit sind. Also ich weiß auch nicht genau, was passieren wird, gerade hier in Israel ist es schwierig Vorhersagen zutreffen. Die allgemeine Stimmung hier ist nach meinem Eindruck so, dass alles so normal weiter geht, wie bisher auch. Man muss auch dazu freilich sagen, dass kaum ein Staat der Welt so viel in die Sicherheit seiner Bürger und Touristen steckt wie Israel. Deswegen hatte ich auch noch nie Angst hier rumzulaufen.

Ich freue mich schon, bei der Jugenbegegnung mitzuwirken.
Mit freundlichen Weihnachtsgrüßen, Josias Strobel