Heilige Beichte

Was dir im Innersten zu schaffen macht, will GOTT zu seiner Sache machen. Jeder Mensch ist eingeladen dazu. ER will, dass allen Menschen geholfen wird.  Prof. Dr. Klaus-Peter Hertzsch schreibt dazu:

"Es geht bei solchen Gesprächen im Namen und Auftrag Jesu nicht nur um allgemeine Beratung und Problembesprechung. Auch dies kann seinen Platz in der Gemeinde oder im Pfarrhaus haben. Aber dafür sind ja auch andere da, in vielen Fällen sogar noch eher zuständig: Ärzte, Psychologen, Fachberater.
In der Kirche geht es um etwas ganz Besonderes und nicht Austauschbares. Sie nennt das „Seelsorge". Mir ,,Seele" ist hier der innerste Kern des Menschen gemeint, jener tiefste Bereich seines Wesens und seines Daseins, in dem er mit sich selber zurechtkommen muss, wo seine geheimsten Ängste und Sehnsüchte wohnen, wo seine tiefste Einsamkeit lauert und sein Denken ein ewiges Selbstgespräch ist, wo ich gleichsam mit meinem eigenen Ich eingesperrt bin, auch wenn ich an ihm leide.
Die Bibel redet an vielen Stellen von diesem tiefsten, untersten Bereich des Menschenlebens, und sie weiß auch von der Unordnung und oft qualvollen Spannung, von der Friedlosigkeit und der Hilflosigkeit, die in dieser Tiefe unseres Lebens zu Hause sind. Denn „es ist das Herz", so sagt sie in ihrer anschaulichen Sprache, ,,ein trotziges und verzagtes Ding".
All dies ist uns natürlich im Getriebe des Alltags oder in den glücklichen Zeiten unseres Lebens kaum bewusst.
Erst wenn wir in kritischen Lebenslagen ins Grübeln kommen oder wenn uns langsam das Gefühl bedrückt oder plötzlich überfällt, wir kommen mit den Problemen unseres Lebens nicht mehr zurecht, erst dann regt sich diese dunkle Welt bemerkbar in uns, und wir fragen uns, wie wir damit fertig werden sollen. Dann ist es aber auch schon höchste Zeit."

(Wie mein Leben wieder hell werden kann. Eine Einladung zur Beichte in der evangelisch-lutherischen Kirche. Hg. Luth. Kirchenamt der VELKD, S. 4)

Die christliche Kirche hat von ihrem Herrn den Auftrag, den Menschen, die von der Gewissenslast einer Schuld freiwerden wollen, die Vergebung zuzusprechen und ihnen so zu einem neuen Anfang zu helfen. In der Beichte wird erkannte Schuld ausgesprochen und das Verlangen nach Versöhnung mit Gott und den Menschen bekundet. Seelsorge und Beichte sind eine einzigartige Möglichkeit und große Hilfe für alle Menschen, das, was bedrückt und verunsichtert loszuwerden und das, wonach sie sich sehen, zu gewinnen: Klarheit und Frieden für unser Leben.

Wie Martin Luther die Hl. Beichte erklärt hat:

Vom Amt der Schlüssel und von der Beichte
Was ist das Amt der Schlüssel?
Es ist die besondere Gewalt,
die Christus seiner Kirche auf Erden gegeben hat,
den bußfertigen Sündern die Sünden zu vergeben,
den unbußfertigen aber die Sünden zu behalten,
solange sie nicht Buße tun.

 

Wo steht das geschrieben?
Unser Herr Jesus Christus spricht bei Matthäus im sechzehnten Kapitel zu Petrus:

 

Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben:
alles, was du auf Erden binden wirst,
soll auch im Himmel gebunden sein,
und alles, was du auf Erden lösen wirst,
soll auch im Himmel gelöst sein.

 

Desgleichen spricht er zu seinen Jüngern bei Johannes im zwanzigsten Kapitel:

 

Nehmet hin den Heiligen Geist!
Welchen ihr die Sünden erlasset,
denen sind sie erlassen;
und welchen ihr sie behaltet,
denen sind sie behalten.

 

Was ist die Beichte?
Die Beichte begreift zwei Stücke in sich:
eins, dass man die Sünde bekenne,
das andere, dass man die Absolution oder Vergebung
vom Beichtiger empfange als von Gott selbst
und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube,
die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel.

 

Welche Sünden soll man denn beichten?
Vor Gott soll man sich aller Sünden schuldig bekennen,
auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vaterunser tun.
Aber vor dem Beichtiger sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen.

 

Welche sind die?
Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten,
ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter bist,
in welchem Beruf und Dienst du stehst:
ob du ungehorsam, untreu, unfleißig, zornig, zuchtlos, streitsüchtig gewesen bist,
ob du jemand Leid getan hast mit Worten oder Werken,
ob du gestohlen, etwas versäumt oder Schaden getan hast.

 

Wie bekennst du deine Sünden vor dem Beichtiger?
So kannst du zum Beichtiger sprechen:

Ich bitte, meine Beichte zu hören
und mir die Vergebung zuzusprechen um Gottes willen.
Hierauf bekenne dich vor Gott aller Sünden schuldig und sprich vor dem Beichtiger aus, was als besondere Sünde und Schuld auf dir liegt.

Deine Beichte kannst du mit den Worten schließen:

Das alles ist mir leid.
Ich bitte um Gnade.
Ich will mich bessern.

 

Wie geschieht die Lossprechung (Absolution)?
Der Beichtiger spricht:

Gott sei dir gnädig und stärke deinen Glauben. Amen. Glaubst du auch, dass meine Vergebung Gottes Vergebung ist?

Antwort:

Ja, das glaube ich.

Darauf spricht er:

Wie du glaubst, so geschehe dir. Und ich, auf Befehl unseres Herrn Jesus Christus, vergebe dir deine Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Gehe hin in Frieden!

 

Welche aber im Gewissen sehr beschwert oder betrübt und angefochten sind, die wird ein Beichtvater wohl mit mehr Worten der Heiligen Schrift zu trösten wissen und zum Glauben reizen. Dies soll nur eine Weise der Beichte sein.